Bundesrat Ueli Maurer war zu Gast im Meilemer «Löwen». Im Kreuzverhör beantwortete er vor gut 270 Zuhörern Fragen zur Armeereform, der Stimmung im Bundesrat und seiner bevorzugten Automarke.
von Frank Speidel
Ein schüchterner Junge mit dunklen Locken sei Ueli Maurer (SVP) früher gewesen, erinnerte sich Meilens Gemeindepräsident Hans Isler (SVP) in seiner Ansprache an seine erste Begegnung mit dem heutigen Bundesrat. Am Dienstag kam der einstige «Landi-Stift» zum Kreuzverhör. Die SVP Bezirk Meilen lud zur Veranstaltung «Ueli Maurer – 100 Tage im Bundesrat». Theres Weber-Gachnang, SVP-Präsidentin Bezirk Meilen, präzisierte: Genaugenommen seien es 97 Tage, seit Mauer Bundesrat sei. Doch der 100. Tag wäre auf den Karfreitag gefallen – ein unpassender Tag für ein Kreuzverhör. Die Moderatoren Christian Dietz-Saluz (Redaktionsleiter «ZSZ» rechtes Ufer), Michael Furger (Redaktor «NZZ am Sonntag») und Benjamin Gafner (Buchautor, ehemaliger Bundeshausredaktor) begannen mit der Befragung. Sogleich kam Maurers bevorzugte Automarke zur Sprache, denn nach dem Steuerstreit mit Deutschland habe er gemäss Medienberichten seinen Dienstwagen der Marke Mercedes gegen einen Renault eingetauscht. Maurer erklärte, wie es dazu kam: Der Mercedes sei in Reparatur gewesen, woraufhin er als Ersatzfahrzeug einen Peugeot – und nicht einen Renault – gewählt habe. «Immerhin », meinte Maurer, «schaffte es diese Nachricht bis in die ‹Financial Times›.» «Wir werden keine Freunde» Der einstige dunkelgelockte Junge wirkte bei seinem Auftritt in Meilen selbstsicher. |
Nach 100 Tagen im Amt käme von rechts und links nur Lob, ob ihm das nicht etwas unheimlich erscheine, wurde er gefragt. Er könne sich schnell in Dossiers einarbeiten, dies sei schon ein Vorteil, sagte Maurer. «Ich bin aber natürlich auch gut», fügte er mit einem Augenzwinkern an. Die Menge lachte. Weniger zum Lachen zumute war Maurer bei der Frage, wie er denn so mit Bundesrätin Eveline Widmer- Schlumpf (BDP) auskomme. «Wir werden sicher keine Freunde», sagte Maurer. «Sie hat der Partei zuviel Schaden zugefügt.» Auch zur Kommunikation des Bundesrates nach aussen, äusserte sich Maurer: «Ich staune, wieviel aus den Verhandlungen innerhalb des Bundesrates nach aussen dringt.» 1000 «Baustellen» gezählt Innerhalb seines Departementes – dem Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) – habe Maurer unzählige «Baustellen» entdeckt. Vor allem in der EDV sieht er grossen Aufholbedarf. Hunderte Systeme seien im Einsatz und die gelte es jetzt zu vereinheitlichen. Zudem erachtet er es als wichtig, dass die Schweizer Armee nebst all ihren Auslandeinsätzen ihre eigentlichen Aufgaben nicht vernachlässigt. Auch Zuhörer durften Fragen stellen. So fragte ein Herr, weshalb es nicht möglich sei, einen bestimmten Waffenplatz im Wallis für eine Motorsportveranstaltung zu mieten. «Ich wusste, dass diese Frage kommt», sagte Maurer, «ich habe das schon abgeklärt. Spätestens in vier Wochen erhalten Sie Bescheid.»Solche Antworten liebt das Publikum. Maurer der Macher. Auch den Naturmensch Maurer konnte der Bundesrat an dem Abend vermitteln. Auf die Frage,wie das Schlafen im Freien denn so sei: «Das ist einfach...» Maurer fand keine Worte, schaute aber schwärmend nach oben. «Das ist einfach Woaahhh!» |